Länderportrait Norwegen

Länderportrait Norwegen

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Länderportrait Norwegen

Europas Klassenbester kommt aus Skandinavien

Obwohl Norwegen einer der größten Öl- und Gasexporteure der Welt ist, gewinnt das Land seinen Strom zu 98 Prozent aus Erneuerbaren und ist bei der Elektromobilität führend.

Norwegen nimmt mit seiner ausgeprägten Rohstoffökonomie eine Sonderstellung unter den hoch entwickelten und reichen westlichen Industriestaaten ein. Neben Fischerei und Aquakultur sind es vor allem die Energieressourcen Öl, Gas und Wasserkraft, die dem Land zu seinem Wohlstand verholfen haben. Das norwegische Ölzeitalter begann 1969 mit der Entdeckung des Ekofisk-Feldes in der Nordsee. In den Jahren danach ist Norwegen zu einem bedeutenden Öl- und Gaslieferanten avanciert. 47 Prozent der Einnahmen aus dem Warenexport entfielen 2016 auf Öl und Gas. Norwegen ist der zweitgrößte Erdgaslieferant für den europäischen Markt.

Die norwegische Stromerzeugung hat europaweit den höchsten Erneuerbaren-Anteil und die niedrigste Emissionsrate. 1.500 Wasserkraftwerke produzieren über 96 Prozent des Stroms. Windenergie spielt mit 1,4 Prozent derzeit noch eine marginale Rolle. Der Handel mit Grünen Zertifikaten – ein gemeinsames Fördermodell mit Schweden für den Ausbau erneuerbarer Energien – fördert seit 2012 den Ausbau weiterer Wasserkraftwerke. Etliche Windparks werden im Rahmen dieses Modells derzeit errichtet. Im Jahr 2016 produzierte Norwegen mit 149 Terawattstunden mehr Strom als jemals zuvor.

Gerade Stromüberschuss und niedrige Strompreise haben sich jedoch zum Problem für den norwegischen Energiemarkt entwickelt. Als die Regierung im vergangenen Jahr ihre Energiestrategie 2030 vorlegte, kündigte sie drei zentrale Maßnahmen gegen den Stromüberschuss an. In den kommenden Jahren werden erstens neue Leitungsverbindungen nach Großbritannien und Deutschland fertiggestellt, welche die Exportkapazität von norwegischem Strom um bis zu 50 Prozent erhöhen.

Zweitens soll bei der Beheizung von Gebäuden und im Transportsektor signifikant mehr Strom aus erneuerbaren Quellen eingesetzt werden, auf Kosten von fossilen Energieträgern. Die dritte Maßnahme zur Bekämpfung des Stromüberschusses ist ein weiteres Wachstum der energieintensiven Industrie.

Im Bereich Elektromobilität hat sich in Norwegen bereits einiges getan. Rund vier Prozent aller Pkws werden elektrisch angetrieben. Ab dem Jahr 2025 sollen keine konventionell motorisierten Fahrzeuge mehr zugelassen werden. Die stattfindende und geplante Elektrifizierung des Verkehrs- und Transportsektors ist eine Klimaschutzmaßnahme, die sich sehen lassen kann. Ansonsten herrscht derzeit in Sachen Klimaschutz Ratlosigkeit.

Der norwegische Umweltminister legte kurz vor der parlamentarischen Sommerpause eine Klimastrategie vor, die von Kritikern und der Presse wegen ihrer Inhaltslosigkeit geschmäht wurde, und im Herbst fanden in Norwegen wieder Parlamentswahlen statt. Wie das Land seine Verpflichtungen im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommens erfüllen soll, wird für die neue Regierung eine der wichtigsten und die vielleicht schwerste Aufgabe werden.

Autorin Hilvi Auerdahl Pettersson beschäftigt sich seit ihrem Studium der Politikwissenschaften mit der norwegischen Energiewirtschaft. 

 Energiemix 

Norwegen produziert seinen Strom fast ausschließlich aus erneuerbaren Quellen. Öl und Gas werden fast ausschließlich exportiert.

 

 

Prozent mehr Erdgas als noch vor zehn
Jahren fördert Norwegen heute.

 Footprint 

Der größte Verursacher von Treibhausgasen ist in Norwegen der Verkehrs- und Transportsektor. In den Jahren 1990 bis 2016 nahmen die Emissionen im Straßenverkehr aufgrund von Bevölkerungs- und Wohlstandswachstum um 31 Prozent zu.

 

 

Cent bezahlt eine mittlerer norgwegischer Haushalt für eine Kilowattstunde Strom. In Deutschland ist es fast das Doppelte.

INTERVIEW

„Norwegen kann die grüne Batterie Europas werden“

Fragen an Ånund Killingtveit, Professor emeritus am Institut für Bau- und Umwelttechnik an der Universität in Trondheim und Leiter des Wasserkraft-Forschungsprojekts HydroPEAK. 

Herr Killingtveit, könnte Norwegen Energie für Europa speichern?
Die Stromerzeugung aus Wind und Sonne unterliegt großen Schwankungen. Je größer der Wind- und Sonnenanteil am Energiemix Europas, desto größer das Bedürfnis nach Speicherkapazitäten. Die natürlichen Wasserreservoire in Norwegen, aus denen Wasserkraft produziert wird, könnten als benötigte Speicher dienen. Mit Hilfe von Pumpspeicherkraftwerken wird in Zeiten der Überproduktion aus Wind und Sonne – beispielsweise im deutschen Markt – Wasser vom unteren Becken in das obere gepumpt. Bei Bedarf kann man die in Form von Wasser gespeicherte Energie buchstäblich wieder anzapfen.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden?
Die Leitungen, die uns mit unseren europäischen Nachbarn verbinden, reichen nicht aus. Wir müssten die Leitungskapazität erheblich ausbauen. Außerdem brauchen wir viele neue Pumpspeicherkraftwerke. Das sind Projekte, die riesige Investitionen erfordern und langfristig angelegt sind.

Wer soll das bezahlen?
Solche Projekte lassen sich erst dann realisieren, wenn man damit Geld verdienen kann. Wir müssen europäische Partner finden, die eine solche Speicherkapazität benötigen und bereit sind, die entsprechenden Investitionen zu tätigen.
 

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Foto: NTNU Illustration & Infografik: C3 Visual Lab

Quelle Infografiken: www.miljostatus.no/tema/klima/norske-klimagassutslipp/co2-utslipp/